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Triathleten und die Liebe – ein Interview

Prof. Dr. M. HassebraukTriathlon ist ja bekanntlich eine sehr zeitaufwändige Freizeitbeschäftigung. Viele Athleten investieren zehn oder mehr Stunden pro Woche in ihr geliebtes Hobby. Die Zeit, die für Wettkämpfe, Fahrrad putzen oder Internetrecherchen zu den neusten Laufschuhmodellen drauf geht, ist hier noch nicht eingerechnet. Ist das eigentlich mit der Liebe vereinbar? Wie schafft man es am besten, so ein Hobby und seine Beziehung unter einen Hut zu kriegen? Was kann ich tun, wenn es zu Konflikten kommt wegen meinem Hobby? Diese und weitere Fragen habe ich heute dem Sozialpsychologen und bekanntem Beziehungsexperten Prof. Dr. Manfred Hassebrauck gestellt. Er ist Deutschlands führender Experte auf den Gebieten Partnerwahl und Liebesleben: Seit 30 Jahren erforscht er, wie man es schafft eine erfüllte Beziehung zu führen. Ich habe seit den ersten Semestern das Glück an der Uni Wuppertal seine Vorlesungen hören zu können.

Lena: Herr Prof. Hassebrauck, Triathlon ist ein wirklich zeitaufwändiges Hobby. Viele Athleten investieren mehr als 10 Stunden pro Woche in Training und weitere Aktivitäten. Kann man überhaupt von seinem Partner erwarten, dass er das einfach so hin nimmt und das akzeptiert? Oder sind die Konflikte da schon vorprogrammiert?

Manfred Hassebrauck (M.H.): Nein, sind sie nicht. Die Frage ist vielmehr, unter welchen Bedingungen der Partner Verständnis dafür hat, dass ich soviel Zeit in mein Hobby investiere. Dies ist am ehesten der Fall, wenn der Partner ebenfalls ein Hobby hat. Er muss nicht zwingend ein Triathlet sein, auch wenn das das Optimum ist. Wichtig ist besonders, dass der Partner ein Hobby hat, das ihm subjektiv genauso wichtig ist, wie dem Triathleten das Training. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er Verständnis dafür aufbringt. Er weiß, dass das geliebte Hobby nicht einfach nur wichtig ist, sondern auch ein Teil der Persönlichkeit ist. Oft geht es jedoch nicht einfach nur darum, dass man effektiv weniger Zeit miteinander verbringt. Manchmal reagieren Partner in dieser Situation auch mit Gefühlen wie Neid oder Eifersucht: “Der Sport ist wichtiger als ich”. Sie fühlen sich zurückgesetzt. Diese Probleme entstehen jedoch wesentlich seltener, wenn der Partner ein Hobby hat, welches ihm genauso wichtig ist.

Angela und Sebastian betreiben seit langem Triathlon als gemeinsames HobbyAngela und Sebastian betreiben seit langem Triathlon als gemeinsames Hobby

Lena: Was mache ich denn, wenn ich jetzt in der Situation bin, dass mein Partner kein vergleichbares Hobby hat? Haben Sie einen Tipp wie man seinem Partner vermitteln, dass er einem trotzdem wichtig ist? Vor allem, wenn man vielleicht selbst nicht bereit ist im Training große Kompromisse zu machen.

M.H.: Der erste Punkt, der beachtet werden sollte ist, dass man dies als Problem ansprechen sollte. Es ist wichtig, dem Partner gegenüber zu betonen, dass die Relevanz des Sports nichts mit der Wertschätzung seiner Person zu tun hat. Es kann auch hilfreich sein, dem Partner noch einmal in Ruhe zu erklären, wie wichtig einem der Triathlon ist. Der Sport ist ein bedeutender Teil der eigenen Identität. Man sollte versuchen zu erläutern, welche Konsequenzen es für die Beziehung hätte, wenn man darauf verzichtet. Langfristig kann ein Verzicht für die Beziehung nämlich viel schädlicher sein, da der Athlet ständig das Gefühl hat, etwas so wichtiges geopfert zu haben. Für den anderen, der das natürlich auch mitbekommt, ist das oft mit Schuldgefühlen verbunden. Es ist also sehr wichtig, den Stellenwert des Hobbys nachvollziehbar und transparent darzustellen.
Einem Menschen, der keins hat, zu einem Hobby zu verhelfen, halte ich für keine gute Strategie. Daran würden vermutlich selbst Therapeuten scheitern. Wenn jemand einfach kein Hobby hat, sondern sich vielleicht ausschließlich über gemeinsame Freizeitaktivitäten definiert, dann ist das wirklich schwierig.

Lena: Sind Sportler/innen denn eigentlich beliebt als Partner? Ist das eine Eigenschaft, die gut ankommt auf dem “Markt”?

M.H.: Weder noch. Da gilt, wie in vielen anderen Bereichen auch, dass Ähnlichkeit eine wesentliche Basis für eine glückliche Beziehung ist. Sportlich aktive Menschen suchen eben auch sportlich aktive Menschen. Leute, die wenig Spaß an Sport haben, suchen entsprechend auch Partner, die nicht sonderlich sportlich sind. Sportlichkeit an sich ist ja weder gut noch schlecht. Wichtig ist, dass beide die gleiche Einstellung dazu haben.

Lena: Sie sagten, dass Ähnlichkeit in Bezug auf sportliche Aktivitäten gut ist für eine Beziehung. Kann ich dann daraus schließen, dass ein Verein eine gute Gelegenheit ist, um nach einem potenziellen Partner Ausschau zu halten?

M. H.: Wenn man selbst sportlich ist, ja! Generell sind solche Institutionen wie Vereine und ähnliches eine unheimlich gute Möglichkeit um einen Partner zu finden. Hier besteht einfach eine hohe Wahrscheinlichkeit, Menschen mit den gleichen Interessen zu treffen. Bringt einem natürlich nichts, wenn man als Triathlet jetzt in einem Kegelclub auf die Suche geht. Hier sollte man dann eben in einen Triathlonverein gehen. Aber das ist eine ganz wichtige Möglichkeit, Leute kennen zu lernen. Auch wenn wir mal Umfrageergebnisse betrachten, wo sich Paare eigentlich kennen gelernt haben, sind gemeinsame Freizeitaktivitäten eine ganz häufige Antwort. Voraussetzung ist natürlich, dass es keine geschlechtsspezifischen Vereine sind. In Bereichen, wo es fast nur Männer oder Frauen gibt, gestaltet sich die Partnersuche natürlich schwieriger.

Lena: Herr Professor Hassebrauck, vielen Dank für das Interview!

hassebrauck_alles-ueber-die-liebe1Wer noch mehr Antworten auf Fragen zur Liebe sucht, findet diese in meinem persönlichen Lieblingsbuch von Prof. Hassebrauck: “Alles über die Liebe“.

 

 

 

 

[Foto Hassebrauk: sozialpsychologie.uni-wuppertal.de]

Präsentiert von DT Author Box

geschrieben von: Lena

Lena

Aus einer Laune und etwas Triathlon-Inspiration aus dem Freundeskreis heraus, habe ich mich im März 2012 für die Sprintdistanz beim Wuppertaler Cross-Triathlon angemeldet. Kurz zuvor hatte ich mich entschlossen mein langjähriges Hobby Reiten aufzugeben – zu teuer und zu zeitaufwendig – da liegt Triathlon als Alternative natürlich besonders nah. Jetzt freue ich mich auf meine erste Saison als Triathletin.

1 comment
  1. Lauretta says: 11. Februar 201315:04

    Wo kann ich denn das ganze Interview anhören? Täte mich aus gegebenem Anlass sehr interessieren..LG

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