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Ein Traum von Training

Sportplatz Oberbergische Straße

Bild: Wuppertaler Rundschau

Dienstag, 22. Januar 2013, 14:00 Uhr:

Mit dem Wissen über die Sperrung des Platzes und dem damit verbundenen Trainingsausfalls am Abend, musste ich mir eine Alternative überlegen um meinen Körper bis zur maximalen Zufriedenheit zu schinden. Meine geistige Wanderung verlief zielstrebig naiv und schweifte tief ins Burgholz, über die Sambatrasse, bis hin zum Gelpetal und endete letztendlich in dem kleinen Wald über der Oberbergischen. `Hm. Viel Schnee… aber festgetreten… da ist bestimmt nix los… Das geht!!‘ , machte ich mir selber Mut und zog meine kurze Laufhose an.

Mit dem Wind im Gesicht, dem Head über der Nase und den ungläubigen Blicken im Rücken brauchte ich nicht mal 20 Minuten um an mein Ziel zu gelangen. Beim ersten Belaufen des Waldwegs bot sich mir ein märchenhaftes Bild. Verschneite, kahle Bäume umzingelten einen kleinen verschneiten Pfad, der sich durch das Wäldchen schlängelte. Eine perfekte Kulisse für ein Foto oder einen Spaziergang. Zu blöd, dass sich mein Anliegen ziemlich von den Letztgenannten unterschied. Optimistisch und gleichzeitig realisierend, dass dieses wunderschöne Bild vor mir in spätestens 10 Minuten mein Ende bedeuten würde, redete ich mir ein 10x Hin- und zurück zu laufen und das alles im oberen GA2 Bereich! Idiot…

Hand an die Uhr, Blick voraus und Schuh in den Schnee gestemmt machte ich mich für mein erstes Intervall fertig. Nach 5 gelaufenen Metern wurden sämtliche Synapsen meines Hirns innerviert und revidierten alle zuvor gemachten Pläne. Die Anzahl der Intervalle sank proportional zu den gelaufenen Metern und pendelte sich eingerahmt von Vernunft und Gewissen bei 5 ein. Da eine Abdruckphase praktisch nicht vorhanden war, konzentrierte ich mich auf einen sauberen Kniehub, den ich kurze Zeit später aber aufgab und mich aufs Ankommen zu beschränken versuchte.

Das zweite Intervall bot ein ähnliches Trauerspiel, wurde allerdings von Helge und Klaus unterbrochen, auf deren Trainingsplan wohl 1x400m Recom-spazieren stand und ehrfürchtig den Weg frei machten. „Ui, guck mal Klaus!“ „Ja, ich sehe es Helge“, gaben die Beiden von sich und machten auf mich den Eindruck als seien sie Ernie & Bert. Die kleine Aufmunterung konnte ich gut gebrauchen, sodass ich Ihnen mit einem kleinen Lächeln einen guten Tag wünschte. Die nächsten zwei Begegnungen auf der Strecke wurden von dämlichem Grinsen und anmutigem Schweigen dominiert. Ich vermutete, dass Klaus und Helge noch nicht viele Triathleten zu Gesicht bekommen hatten. Auch egal. Ich freute mich jedes Mal an meinen beiden Groupies vorbeizulaufen!

Mit den Händen auf den Knien und laut atmend bot sich mir nach dem 4. Intervall eine Erscheinung, die die Hoffnung schürte, doch noch ein erfolgreiches Training zu absolvieren. Ein kleiner Sonnenstrahl bahnte sich seinen Weg durch die Äste und wurde vom Schnee auf meinen Dunst reflektiert und gab mir das Gefühl der stolze Besitzer des Patents auf den Satz „Just to get the day started“ zu sein. Mit dem positiven Gefühl ging ich meine letzten 3 Minuten an und lief grade noch rechtzeitig los um Helge und Klaus eine letzte Show zu bieten. Mit aufrechtem Rücken, der Brust nach vorne geschoben und lockerem Lächeln im Gesicht lief ich auf die Beiden zu. Die nächste Erscheinung, die mich zu dem Wunsch führte diese Beiden Sesamstraßen-Figuren auch nicht 1 Lächeln geschenkt zu haben.

„Die sind so toll, die Fußballer“ rief mir Helge entgegen und konnte sich wohl nicht meiner sich daraufhin entgleisenden Gesichtszüge entziehen. Nach kurzem Ringen mit mir selbst und der Gewissheit, dass die alte Dame mich zu tiefst verletzt hatte, drehte ich meinen Kopf zu Seite und rief ihr von 10m Entfernung hinterher: „ICH BIN TRIATHLET!“

Zutiefst beschämt machte ich mich auf den Heimweg und musste heute schmerzlich erfahren was wir für kleine, unerkannte Lichter in der Dunkelheit sind.

Auch wenn es trainingstechnisch eine gute Einheit war, bleibt doch eine Gewissheit am Ende des Tages: Ich hab kein Bock mehr auf Winter!!!

Präsentiert von DT Author Box

geschrieben von: Andi

Andi

Hätte ich ein wenig mehr Talent für das Spiel mit dem Runden und dem Eckigen gehabt, würde ich vermutlich jetzt noch Sonntag morgens meine Fußballschuhe putzen. Nach 13 Jahren in diesem medienwirksamen hin und her und ein bisschen Flügelstürmererfahrung auf der linken Bankseite in der Verbandsliga musste ich einer einzigen Wahrheit ins Auge sehen: Ich war nicht talentiert genug für diesen Sport!
Dafür jetzt Korrespondent aus der NRW-Liga und und Verantwortlich dafür, dass der Humor auf Triathlife.de nicht zu kurz kommt.

3 comments
  1. Ivo says: 26. Januar 201314:58

    Einfach gut geschrieben! :D

  2. triteacher says: 10. Februar 201312:43

    Ivo, ich fand schon immer, dass du was von nem Fußballer hast;-)
    Ne, aber mal ernst. Ist es nicht irre, wie jeder von uns diese Denke im Hinterkopf hat, von jedem Ernie und Bert als TRIATHLET erkannt zu werden? Das MÜSSEN die doch sehen… Hehe, tun sie aber nicht;-)

    • Ivo says: 10. Februar 201314:31

      Ja da hast du Recht.
      Kleiner Nachtrag: Der Text ist von Andi ;)

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